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West Side Story (157 Min – FSK: ab 12J.)

1. Januar 2022 |

New York City in den Fünfzigern: Tony, ehemaliger Gründer der Jets, der der Gang den Rücken gekehrt hat, verliebt sich bei einer Tanzveranstaltung Hals über Kopf in Maria. Konflikte sind programmiert, denn die erst vor kurzem aus Puerto Rico in die USA gekommene junge Frau ist die Schwester von Bernardo, dem Anführer der mit den Jets rivalisierenden Gang der Sharks. Die Jets und Sharks verabreden sich zum Kampf. Dabei kommt es zu einer Tragödie, Tonys Freund Riff stirbt und Tony tötet Marias Bruder.

Filmemacherlegende Steven Spielberg legt 60 Jahre nach der achtfach Oscar-prämierten Musicaladaption „West Side Story“ eine Neuverfilmung nach einem dezent modernisierten Drehbuch des preisgekrönten Autoren Tony Kushner vor. Spielberg umgab sich dafür mit bewährten, preisgekrönten Mitstreitern wie Kameramann Janusz Kaminski oder Editor Michael Kahn. In der zeitlosen, mitreißenden und emotionalen „Romeo und Julia“-Geschichte zur Musik von Leonard Bernstein spielen, singen und tanzen Ansel Elgort und die junge Rachel Zegler in ihrem ersten großen Filmauftritt die Hauptfiguren.

Rita Moreno, die im Original für die Rolle der Anita einen Oscar gewann, ist hier wieder dabei als Witwe des Drugstore-Besitzers Doc: Anstelle von Tony und Maria ist sie es, die „Somewhere“ singt, der Höhepunkt eines Films, der an und für sich ein einziger Höhepunkt ist, weil Spielberg das Original als Ausgang nimmt, aber doch alles verdichteter scheint, dynamischer und kinetischer, erfüllt von Bewegung und Licht und Farben, wie es nur der Regisseur kann, von dem man sich schon nach der ersten Sequenz von „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ gewünscht hatte, er müsse unbedingt ein Musical drehen. Nun hat er es, 35 Jahre später, im Alter von 73 Jahren, gemacht, unterstützt von einem Cast, der mit purer Freude am Spiel und Gesang und Tanz alles an die Wand spielt und singt und tanzt, von einer phänomenalen Sequenz zur nächsten eilt. Und mit seiner Variation von „Romeo & Julia“ ein politisches Statement abgibt über eine entzweite, sich in Hass und Wut unversöhnlich gegenüberstehende Gesellschaft, versinnbildlich in dem irren Bild, als sich die Schatten der Jets und Sharks beim Treffen zum Straßenkampf aufeinander zubewegen wie gezückte Messer, das aktueller und dringlicher kaum sein könnte. Kino kann so toll sein.