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Respect (145 Min – FSK: ab 12J.)

15. Dezember 2021 |

Aufwändige Filmbiographie über Leben und Schaffen der legendären Soul-Sängerin Aretha Franklin.

Das Aretha-Franklin Biopic „Respect“ spürt dem Leben und der Musik der Queen of Soul mit einem fantastisch besetzten Allstar-Cast nach: In der Hauptrolle wagt sich die Oscar-Gewinnerin Jennifer Hudson („Dreamgirls“) an die Darstellung von Aretha Franklin. Ihren gestrengen Filmvater spielt Forest Whitaker, während Marlon Wayans, der in Deutschland eher durch Komödien und die „Scary Movie“-Filme bekannt ist, in der Rolle ihres ersten Ehemanns glänzt. Der Film beginnt mit Arethas Kindheit und der christlichen Prägung durch ihren Vater C. L. Franklin, der Prediger in der Southern Baptist Church ist. Der nimmt sie schon in jungen Jahren nach der Entdeckung ihres Gott gegebenen Talents als Gospelsängerin mit auf Tour durch die unterschiedlichen Gemeinden. Hier ist auch schon der duale Kern des mehr als zweistündigen, sehr aufwändigen Biopics offen gelegt: Einerseits die unfassbar beseelte Stimme der Aretha Franklin, der Regisseurin Liesl Tommy klugerweise sehr viel Platz in lang ausgespielten Musikmomenten in Studios und auf der Bühne gewährt. Auf der anderen Seite der von Whitaker intensiv gespielte Patriarch, der nicht nur Arethas Kindheit, sondern auch ihren Blick auf die späteren Männer in ihrem Leben prägt.

Dem furiosen und packenden Findungsprozess ihres Musikstils sind die unzähligen toxischen und schon früh beginnenden Beziehungen – Franklin war das erste Mal mit zwölf Jahren schwanger – gegenüber gestellt, von denen Wayans als zur Gewalt neigender Ehemann Ted White sicherlich die einprägsamste Rolle hat. Vielleicht bedingen sich auch Aretha Franklins Hymnen wie der titelgebende Song oder („You Make Me Feel Like) A Natural Woman“ und ihre leidvollen Erfahrungen, weil es nicht bloß phänomenal gesungene, sondern auch tief empfundene und durchlittene Songs sind, die ebenso für die schwarze Bürgerrechtsbewegung eine wichtige Rolle in den USA spielten. Umso interessanter sind die wenigen Szenen zwischen Franklin und Martin Luther King Jr. (Gilbert Glenn Brown), die gemeinsam spazieren gehen und über die Zeit reflektieren.

Relativ spät im Film trifft Aretha Franklin auf einen weiblichen Fan in der Hotel-Lobby, der sich als die Regisseurin Liesl Tommy in einem winzigen Cameo herausstellt. Da sagt Tommy zur Film-Franklin bedankend, dass diese mit ihren Songs so viel für die Frauen dieses Planeten an Emotionen ausgedrückt habe. Genau mit diesem Gestus hat die Regisseurin mit südafrikanischen Wurzeln, die ihren Durchbruch am Broadway mit dem Stück „Eclipsed“ feierte, in dem Lupita Nyong’o die Hauptrolle spielte und das einen Tony-Award gewann, „Respect“ inszeniert. Jennifer Hudsons Performance ist voller Ehrfurcht und Hingabe und nähert sich dem überlebensgroßen musikalischen Vorbild am stärksten, wenn sie singt. Deshalb sind wohl jene Momente mit die schönsten und spannendsten, in denen Franklin nach diversen nicht sonderlich erfolgreichen Alben im Jahr 1967 mit ihrem neuen Produzenten Jerry Wexler (Marc Maron) nach Muscle Shoals in Alabama fährt, um mit einem Haufen weißer „Hillbilly“Künstler ihren Groove zu finden. Wie überhaupt in „Respect“ immer dann die einprägsamsten Szenen zu sehen sind, wenn Franklin zusammen mit anderen Künstlern an Songs arbeitet, den perfekten Ton trifft und die Szenerie im kreativen Prozess zu schweben beginnt.