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Encanto (110 Min – FSK: ab 0J.)

15. Dezember 2021 |

60. Animationsfilm aus dem Haus Disney über eine magische Familie, die nur durch ein Mädchen ohne Zauberkräfte gerettet werden kann.

Eine staunenswerte Welt voll Zauber und Wunder verspricht nicht nur der Titel des 60. abendfüllenden Animationsfilm aus dem Hause Disney. Auch der Film selbst macht das gleich in den ersten Szenen deutlich. Sie wirken ein bisschen so, als würde zugleich die große Leinwand selbst zum geneigten Zuschauer sprechen, ein Glaubensbekenntnis für die Magie des Geschichtenerzählens. In Bildern wohlgemerkt, die ihre Wirkung nur dann richtig entfalten können, wenn sie in einem Kinosaal projiziert werden. Der erste Film von Byron Howard seit seinem Milliardenerfolg „Zootopia“, der auch schon von Clark Spencer produziert wurde, ist entsprechend ein visuelles Fest, in Farben, die so kräftig sind wie in noch keinem Disneyfilm davor, mit einer knalligen Tiefenwirkung, die man fast schon als psychedelisch bezeichnen könnte. Bewusstseinserweiternd also, im besten Wortsinne: Wie „Zootopia“ erzählt auch „Encanto“ von einer Utopie, geht dabei aber noch weiter: In dieser Geschichte gibt es keinen Bösewicht. Der Gegner befindet sich in den Figuren selbst, wie sich im Lauf der Handlung ergeben wird – und nur sie selbst haben es in der Hand, ihn zu überwinden. Eine Frage des Willens.

Im Mittelpunkt steckt Mirabel, eine Disney-Heldin, die nicht nur aus dem Rahmen fällt, weil sie unter ihrem schier unbezähmbar scheinenden schwarzen Lockenschopf eine Brille trägt, sondern weil sie die einzige in ihrer Familie in einem kolumbianischen Idyll ist, die keine außergewöhnlichen Kräfte besitzt. Alle anderen sind auf ihre Weise gesegnet mit Superkräften, wie eine Art folkloristische Familie Incredible. Eine Tante trägt immer sich zusammenbrauende Wolken über ihrem Kopf, ein Cousin kann nach Belieben andere Identitäten annehmen. Mirabel ist das schwarze Schaf oder wird zumindest so von der matriarchalischen Großmutter behandelt, bis sie entdeckt, dass nur ihr es gelingen kann, die heimische Gemeinde vor dem Untergang zu retten. Wie sich herausstellt, sind die Fähigkeiten der anderen Familienmitglieder immer nur Ausdruck gewisser Defizite, während Mirabel als einzige den Kopf so gerade aufsitzen hat, um die Familie wieder zu vereinen.

Begleitet wird dieses Musical mit seinem Überfluss an Einfällen und Ideen von der Musik des allgegenwärtigen Lin-Manuel Miranda, den Disney nach seinen Beiträgen zu „Vaiana“ abermals an Bord geholt hat: Die einprägsamen Songs bilden eine wunderbare Kulisse für Mirabel, diese modernste aller Disney-Heldinnen in direkter Ahnenlinie zurück zu „Arielle, die Meerjungfrau“, um ihre Familie, und mit ihr das Publikum, zutiefst zu bewegen.